Herzkatheteruntersuchung

Bei der Linksherzkatheteruntersuchung wird in örtlicher Betäubung einer Schlagader (Arterie) in der Leiste, der Ellenbeuge oder auch am Handgelenk punktiert und der Katheter in die linke Herzkammer eingeführt. Dies erfolgt immer unter Röntgendurchleuchtungskontrolle. Nach der Druckmessung wird meistens anschließend Kontrastmittel in die linke Herzkammer eingebracht (Laevokardiographie), um ihre Größe, Form und vor allem ihr Pumpverhalten beurteilen zu können.

Bei der Koronarangiographie werden die Herzkranzgefässe dargestellt. Dabei wird über den eingeführten Katheter ein Kontrastmittel in die Herzkranzgefässe gespritzt. So können diese Gefäße im Röntgenbild sichtbar gemacht und auf CD, Video oder Kinofilm gespeichert werden.

Unsere Praxis bietet die Herzkatheteruntersuchung als ambulante Untersuchung an, d.h. die Aufnahme in einer Klinik ist hierfür nicht erforderlich. Möglich wurde dieses Vorgehen durch das deutlich verbesserte Untersuchungsmaterial. Die Untersuchungskatheter sind inzwischen sehr dünn geworden - 4 bis 5 French im Durchmesser, wobei ein "French" einer Strecke von 0,3 mm entspricht. Deshalb ist das Löchlein, das in Ihre Arterie oder Vene gepickt wird, ebenfalls nur sehr klein. Während der Liegezeit von etwa 4 Stunden nach Untersuchungsende schließt sich die Einstichstelle durch die natürliche Blutgerinnung.

Sie können dann nach Untersuchungsende mit einem Druckverband versehen nach Hause entlassen werden. Natürlich sollten Sie dann nicht in öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause fahren oder sich selbst hinters Steuer setzen: Am besten lassen Sie sich von Angehörigen mit einem Pkw abholen, oder Sie fahren mit dem Taxi nach Hause. Körperliche Anstrengung sollte dann die nächsten drei Tage gemieden werden, damit es zu keiner Nachblutung kommt.

Sollte sich während der Untersuchung ein Befund ergeben, der eine stationäre Aufnahme notwendig werden lässt, ist die Übernahme in die Klinik ohne Probleme möglich: Das Herzkatheterlabor befindet sich auf dem Krankenhausgelände. Eine solche Übernahme ist z.B. notwendig, wenn eine Verengung einer Herzkranzarterie aufgeweitet werden muss. Eine anschließende Überwachung des Kreislaufs und der Blutgerinnung ist dann erforderlich.

Risiken

In den meisten Fällen lässt sich der Katheter problemlos zum Herzen vorschieben. Das Hochschieben des Katheters ist übrigens völlig schmerzlos; die großen Arterien des Körpers verfügen über keine "Empfindungsnerven". Sollte sich ein Gefäß als so eng oder verformt erweisen, dass der Katheter nur schwer vorgeschoben werden kann, ist eine Fortsetzung der Untersuchung über einen anderen Zugangsweg meist ohne größere Probleme möglich. Dennoch können trotz größter Sorgfalt bei und nach dem geplanten Eingriff vereinzelt Zwischenfälle und Störungen auftreten, die meist sofort erkannt werden und medizinisch gut zu beherrschen sind. Bei schwerer Herzerkrankung besteht naturgemäß ein erhöhtes Risiko. Insgesamt liegen die klinisch bedeutsamen Komplikationen bei diagnostische Herzkatheteruntersuchung unter 1%. Sie sind generell bei Frauen und älteren Patienten (über 75 Jahre) etwas erhöht. Über Ihre individuellen Risiken und damit verbundenen möglichen Komplikationen sprechen wir mit Ihnen im Aufklärungsgespräch.

Komplikationen

Extrasystolen ("Herzstolpern") sind zusätzliche Herzschläge, die durch Berührung der Herzwand ausgelöst werden. Sie sind häufig, aber harmlos. Meist werden sie vom Patienten nicht wahrgenommen und verschwinden wieder, sobald der Katheter seine endgültige Lage erreicht hat.

Herzrhythmusstörungen, die ein medikamentöses Eingreifen erfordern, sind selten (ca. 1% der Fälle). Schwerwiegende Störungen, die zu einer sofortigen elektrischen Behandlung zwingen, sind sehr selten (ca. 1 Promille). Für solche Fälle sind die benötigten Geräte stets einsatzbereit.

Blutungen und Gefäßverletzung können bei der Gefäßpunktion auftreten. Im Extremfall machen sie eine Blutübertragung und/oder eine Operation erforderlich. Durch die Fremdblutübertragung kann es theoretisch zu Infektionen z.B. mit Hepatitis-Viren (Folge Leberentzündung) oder HIV (Spätfolge AIDS) kommen.

Gelangt ein Blutgerinnsel (Thrombus) in den Kreislauf, kann ein Gefäßverschluss (Embolie) eintreten. Wird ein Gerinnsel in die hirnversorgenden Arterien gespült, so kann es zu einem Schlaganfall mit bleibender Lähmung kommen. Würde ein Emolus in die Longenstrombahn gelangen, käme es zur Lungenembolie. Auch diese Komplikation liegt zahlenmäßig im Promillebereich.

Es kann auch einmal bei stark gewundener Becken- oder Bauchschlagader der Katheter so verdrillt werden, dass eine Schlaufe entsteht, die nur operativ entfernen lässt.

Mögliche Spätfolgen

Bluterguss (Hämatom) an der Punktionsstelle ist ein häufiges Ereignis und tritt in ca. 20% der Fälle auf. Er kann zu einer großflächigen Blaufärbung der Haut führen und bildet sich unter Umständen nur langsam zurück. Vielfach kommt es dann zu einer länger spürbaren örtlichen Verhärtung. Besondere Behandlungsmaßnahmen sind hier im Allgemeinen nicht erforderlich. Bei etwa 1% der Untersuchungen kommt es jedoch zu einem sog. Pseudoaneurysma, das ist ein Bluterguss, der dem Gefäß (Arterie) aufsitzt. Es kann durch Ultraschalluntersuchungen diagnostiziert werden und ist meist durch alleinige Druckbehandlung, also ohne operativen Eingriff zu beseitigen. Nur hartnäckige und große Blutergüsse (in weniger als 1% der Fälle) müssen chirurgisch ausgeräumt und die Arterie übernäht werden. Dies ist vor allem dann erforderlich, wenn zwischen Bluterguss und Gefäßlichtung bzw. zwischen Arterie und Vene eine offene Verbindung (Fistel) entstanden ist.

Nachblutungen sind in weniger als 1% der Fälle zu beobachten. Sollten Sie eine Nachblutung oder ein plötzliches Anschwellen der Leiste bemerken, lassen Sie sich in die nächste Notaufnahme eines Krankenhauses fahren. Sollten Sie stationär liegen, rufen Sie umgehend den Stationsarzt oder das Stationspersonal.

Durchblutungsstörungen treten vor allem dann auf, wenn beim Vorgehen von der Ellenbeuge aus die Arterie genäht werden muss, sehr selten auch bei Embolien der Beinarterie. Bei Schmerzen oder Blasswerden der Gliedmasse, von der aus die Untersuchung durchgeführt wurde, sollten Sie sich unverzüglich melden. Gegebenenfalls muss durch einen chirurgischen Eingriff eine normale Blutversorgung wiederhergestellt werden. Im extremen Ausnahmefall kann eine nicht versorgte schwerste Durchblutungsstörung zum Verlust eines Armes führen.

Gelangt ein Blutgerinnsel (Thrombus) in den Kreislauf, kann ein Gefäßverschluss (Embolie) eintreten. Wird ein Gerinnsel in die hirnversorgenden Arterien gespült, so kann es zu einem Schlaganfall mit bleibender Lähmung kommen. Würde ein Emolus in die Longenstrombahn gelangen, käme es zur Lungenembolie. Auch diese Komplikation liegt zahlenmäßig im Promillebereich.

Lebensgefährlicher Verschluss oder Gefäßverletzung (Dissekat) sind jedoch extrem selten.

Infektionen an der Einführungsstelle des Katheters mit Eiterbildung (Abszess) sind ebenso selten, wie der Übertritt von Keimen in die Blutbahn (Bakteriämie) oder die Bildung von Blutgerinnseln (Thrombose). Keimverschleppungen ins Herz mit nachfolgender Entzündung (Endokarditis) kommen so gut wie nie vor.

Einspritzungen vor, bei oder nach dem Eingriff können in seltenen Fällen Haut- und Weichteilschäden (Spritzenabszess, Absterben von Gewebe, Nerven- und Venenreizungen) hervorrufen, die auch langandauernde Beschwerden (Narben, Schmerzen) zur Folge haben können.

Kontrastmittelbedingte Komplikationen

Überempfindlichkeitsreaktionen sind bei den heute üblichen nichtionischen Kontrastmitteln selten. Sie liegen insgesamt unter 5%. Dazu gehören Hautausschlag, Juckreiz, Augenbrennen, Husten, Atemnot, Niesen, Übelkeit und Erbrechen. Meist vergehen die Beschwerden nach wenigen Minuten von selbst.

Sehr selten können Überempfindlichkeitsreaktionen im Bereich von Herz, Kreislauf, Nieren oder Nerven auftreten, die ein stationäre Behandlung erfordern und eventuell bleibende Schäden wie Herzinfarkt, Sehstörungen, Nierenschwäche oder Lähmungen nach sich ziehen. Sind Allergien bekannt, die Sie uns unbedingt mitteilen sollten, können diese bedrohlichen Reaktionen durch entsprechende Medikamente bereits im Vorfeld verhindert werden.

Bei bevorstehender Nierenfunktionsstörung kann es, insbesondere bei Diabetikern, zur Verschlechterung der Nierentätigkeit bis hin zum dialysepflichtigen Nierenversagen (in weniger als 1% der Fälle) kommen.

Bei einer unbekannten Schilddrüsenfunktionsstörung kann eine Überfunktion der Schilddrüse ausgelöst werden, die sich in Zittern, Hitzegefühl, Übererregbarkeit, Heißhunger, Neigung zu Durchfällen, Hervortreten der Augen und Herzjagen äußert. Durch Medikamente kann dies meist gut behandelt werden.

Über etwaige weitere spezifische Nebenwirkungen des verwendeten Kontrastmittels spricht Ihr Arzt mit Ihnen, falls Sie es wünschen. Nicht beherrschbare, zum Tode führende Zwischenfälle sind zwar extrem selten, jedoch vor allem bei schwer vorgeschädigten Herzen nicht mit absoluter und letzter Sicherheit auszuschließen.